Windsensitivität eines Segments messen
Zwei Segmente mit gleicher Länge und Ausrichtung können sich völlig unterschiedlich verhalten – Hecken, Waldränder, Dämme und Gebäude entscheiden mit.
Was Sensitivität bedeutet
Der Sensitivitätsfaktor beschreibt, wie viel des rechnerischen Windeffekts sich in der Realität zeigt. Ein Wert von 0,5 heißt: Nur die Hälfte des erwarteten Effekts tritt ein, weil das Segment geschützt liegt. 1,3 heißt: Der Effekt ist stärker als berechnet, typischerweise auf offenen Dämmen oder Feldwegen ohne Bewuchs.
- 0,5 bis 0,8: geschützt, Wald, Bebauung, Hohlweg
- 0,9 bis 1,1: durchschnittlich exponiert
- 1,2 bis 1,5: offene Feldlage, Damm, Küste
Aus eigenen Fahrten bestimmen
Sammle mindestens fünf bis acht eigene Fahrten auf dem Segment mit den zugehörigen Windwerten. Trage die Zeitabweichung vom Mittelwert gegen die effektive Windkomponente auf und bestimme die Steigung dieser Beziehung. Vergleiche sie mit der Steigung, die das Physikmodell erwartet – das Verhältnis ist deine Sensitivität.
Warum das so viel bringt
Ein einmal gelernter Sensitivitätsfaktor korrigiert systematische Fehler in Windhöhe, Abschattung und Segmentgeometrie gleichzeitig. In der Praxis ist das der wirksamste Schritt, um Prognosen von grob auf brauchbar zu bringen.
Vorsicht bei Nebeneffekten
Wenn deine schnellen Fahrten alle im Sommer und deine langsamen im Winter liegen, mischst du Form und Temperatur in den Windfaktor. Nutze möglichst Fahrten aus einer vergleichbaren Formphase oder rechne Temperatur und Untergrund separat heraus.
Kurz gesagt
Lerne den Windfaktor aus deinen eigenen Fahrten – kein Modell kennt dein Segment besser als deine Historie.
Häufige Fragen
Wie viele Fahrten brauche ich mindestens?
Ab fünf Fahrten mit unterschiedlichen Windbedingungen wird der Wert grob brauchbar, ab zehn Fahrten stabil.
Ändert sich die Sensitivität?
Ja, saisonal. Ein Maisfeld im August schützt anders als ein abgeerntetes Feld im November.