Monte-Carlo-Simulation im Radsport: Von einer Zahl zur Wahrscheinlichkeit
Eine einzelne Zeitprognose ist immer falsch. Interessant ist die Verteilung möglicher Ergebnisse – und die bekommt man mit Simulation.
Das Prinzip
Statt einen Wert für Wind, Leistung und Rollwiderstand einzusetzen, definierst du für jede Eingabe eine plausible Streuung. Dann ziehst du tausendfach Zufallswerte daraus, rechnest jedes Mal die Segmentzeit und schaust dir die Verteilung der Ergebnisse an.
Welche Unsicherheiten wichtig sind
Nicht jede Eingabe ist gleich unsicher. Windprognose und Tagesform dominieren, Reifendruck ist Rauschen.
- Windgeschwindigkeit: typisch ±20 bis 30 Prozent bei mehreren Stunden Vorlauf
- Windrichtung: ±15 bis 25 Grad
- Tagesform: ±3 bis 5 Prozent Leistung
- Ausführung und Linienwahl: ±1 bis 2 Prozent Zeit
Aus der Verteilung werden Antworten
Der Anteil der Simulationen, die schneller als deine Bestzeit sind, ist die PR-Wahrscheinlichkeit. Der Anteil unter der KOM-Zeit ist die KOM-Wahrscheinlichkeit. Das 10- und 90-Prozent-Quantil bilden ein Konfidenzband für die Zeit.
Das ist die entscheidende Verbesserung gegenüber einer nackten Zahl: Du weißt nicht nur, was wahrscheinlich passiert, sondern wie sicher das ist.
Wie viele Durchläufe?
Für stabile Wahrscheinlichkeiten reichen etwa 1000 Durchläufe. Für kleine Wahrscheinlichkeiten wie eine KOM-Chance unter einem Prozent braucht es mehr, sonst rauscht das Ergebnis. Für die schnelle Vorschau pro Stunde genügen wenige hundert.
Kurz gesagt
Nicht „du fährst 3:01“, sondern „2:56 bis 3:03 mit 72 Prozent PR-Chance“ – so entscheidet man rational.
Häufige Fragen
Wird die Prognose durch Simulation genauer?
Der Erwartungswert bleibt ähnlich. Was du gewinnst, ist die Aussage über Unsicherheit – und die brauchst du für die Entscheidung.
Was, wenn die Streuungen falsch geschätzt sind?
Dann sind die Wahrscheinlichkeiten zu selbstsicher oder zu vage. Kalibrierung mit echten Versuchen ist deshalb Pflicht.